Die Kinder- und Jugendchöre von Ss. Corpus Christi
Chorproben:
Spatzenchor (1./2. Klasse), Dienstag, 16.00 bis 16.30 Uhr
Kinderchor (3. bis 8. Klasse), Dienstag, 16.30 bis 17.15 Uhr
Jugendchor, Proben nach Plan
Chorleitung: Bettina Hüfner
"Wo man singt, da lass dich ruhig nieder..."

Dienstagnachmittag: Zur Probe des Kinderchores kommen ca. 16 Kinder im Alter zwischen 6 und 9 Jahren. Es herrscht ein lebendiges, lustiges, sangesfreudiges Treiben. Alle kennen sich gut. Einige von ihnen erlernen das Flötenspiel, andere spielen ein anderes Instrument. Wenn sie in Gottesdiensten singen, bringen sie Lebendigkeit und Freude in die Gemeinde und scheuen sich auch nicht davor, allein oder zu zweit zu singen. Ein besonders schöner Auftritt war ihr Singspiel „Die Vogelhochzeit“. Beim Einstudieren der Lieder, beim Basteln der Masken bis hin zu den Proben auf der Bühne, sie waren mit vollem Eifer dabei. Zum Seniorenadvent unserer neu fusionierten Gemeinde führten sie ein Programm mit Liedern, Gedichten und Musikstücken auf. Auch in einem Pflegeheim für Senioren konnten sie Freude bringen. Was natürlich in einem Kinderchor nicht fehlen darf, ist die Mitwirkung unserer jüngsten Sänger beim Krippenspiel. Ob als Schafe, Hunde, Hirten, alle fanden ihre „wichtige“ Rolle.
Wie war das in der Vergangenheit?
Viel wissen wir nicht. In der Chronik steht, dass Schwester M. Gieslinde Rogalli von der Kongregation der Schwestern der Hl. Katharina einen Mädchengesangsverein (1920-1940) leitete. Dieser sang oft bei Andachten, Trauungen, anderen festlichen Anlässen und Requien. Anfang bis Mitte der siebziger Jahre leitete Herr Lothar Graf den Kinderchor und die Flötengruppe. Ganz besonders hervorzuheben sind die Auftritte zum 50. Kirchweihjubiläum von Ss. Corpus Christi und zur Verabschiedung von Pfarrer Geistlicher Rat Gerhard John im Jahre 1970. Auch damals schon trat der Kinderchor zum Seniorenadvent zusammen mit der Kindergartengruppe unter der Leitung von Schwester M. Angela auf. Schwester M. Angela Hentschel studierte die Krippenspiele für die Gemeinde ein. Zum Ende der siebziger Jahre bis zu Beginn der neunziger Jahre gab es eine Kinderschola, die von einigen Jugendlichen ehrenamtlich geleitet wurde. Die Jugendlichen gründeten auch ihre eigene Schola und mussten größtenteils ohne Anleitung auskommen. Gerade in der DDR-Zeit war es wichtig, den Kindern und Jugendlichen Geborgenheit in ihrer Kirchengemeinde zu geben.
Ab März 1993 wurde dann unter Leitung von Frau Bettina Hüfner eine neue Kinderchorarbeit begonnen. Einige der „Anfänger“ des 1993 gegründeten Kinderchores haben heute ihren festen Platz in unserem Kirchenchor.
Auch der jetzige Jugendchor ist aus diesem Kinderchor hervorgegangen. Schon im Kindergartenalter wurden und werden sie an die Kirchenmusik herangeführt. Da einige ein oder mehrere Instrumente spielen, kann sich der Jugendchor mit eigener kleiner Band präsentieren.
Viele Gottesdienste unterschiedlichster Art in der Gemeinde gestalten sie und unterstützen die kleinen Sänger. In unserer eigenen Gemeinde, in Altenheimen, in Pflegeheimen und in Krankenhäusern konnten sie mit ihrer Musik vielen Menschen Freude bereiten. Eine besondere Aufgabe war u.a. die Gestaltung der Abschlussandacht der Familienwallfahrt 2003 in Alt-Buchhorst.
Besonders stolz sind sie auf die zweimaligen Auftritte zum Empfang der Sternsinger beim Bundeskanzler, zusammen mit der Band „Kleinkram“ aus Brandenburg. Auch im Roten Rathaus durften sie singen. Leider hatte der Regierende Bürgermeister selbst keine Zeit, sondern ließ sich vertreten. Im Januar 2004 waren unsere Sternsinger, der Kinderchor und der Jugendchor bei Bundespräsident Johannes Rau im Schloss Bellevue zum „Sternsingerempfang“. Diese Auftritte werden bestimmt eine bleibende Erinnerung sein.

Auch zum Ökumenischen Kirchentag 2003 in Berlin trat der jetzige Jugendchor auf. Zusammen mit der Band „Sostinuo“ aus Berlin gestalteten sie den Familiengottesdienst an Christi Himmelfahrt im „Abenteuer Segensland“.
Mit vielen Kindern aus anderen Berliner Gemeinden nahmen sie an verschiedenen Kinderchortagen des Erzbistums teil. Unter dem Motto „Eine musikalische Weltreise mit Lobliedern aus aller Welt“ fand 2002 in Ss. Corpus Christi der (vorerst?) letzte Kinderchortag des Erzbistums Berlin statt.
Ihre Fähigkeiten, ihre Musik und ihre Lieder setzen sie mit großer Begeisterung z. T. auch gemeinsam mit dem „großen“ Kirchenchor zur Freude der Gemeinde ein.
Bettina Hüfner
Der Kirchenchor von CC
Chorprobe: Jeden Dienstag, 19.30 bis 21.00 Uhr
Chorleitung: Bettina Hüfner
Wann immer sich Menschen in einer christlichen Gemeinschaft treffen, wird gesungen. Ein Gottesdienst ohne Musik ist kaum denkbar. Wen also wundert es, dass der Chor von Ss. Corpus Christi fast so alt ist wie die Kirche selbst. Schon kurz nach der Gründung der Gemeinde wurde er ins Leben gerufen. Der erste Chorleiter war Richard Müller, Lehrer an einer benachbarten Schule.
Anfangs war die Kirche alles andere als ein prachtvolles Gotteshaus. Auch die Arbeitsbedingungen für den Chor waren sehr schlecht. Platz für Harmonium und Chor bot ein ca. 10 m2 großes Podium in der hinteren rechten Ecke der Kirche. Eine Orgelempore gab es nicht.
Über die ersten Jahre des Kirchenchores wissen wir nicht sehr viel. Aber 1920, zur zweiten Kirchweihe, wird in der Zeitung "Germania" von einem feierlichen Hochamt mit Chor und Orchester berichtet. Eine Messe, etliche Lieder und das "Ave verum" von Mozart standen auf dem Programm.
Doch ein Kirchenchor ist nicht nur für die musikalische Unterstützung des Gottesdienstes zuständig. 1922 gab es ein Konzert zur Beschaffung von Mitteln für die neue Orgel. Ein 1926 vom Chor organisiertes Fest im Böhmischen Brauhaus diente der Finanzierung des Gemeindehauses - Benefizveranstaltungen würde man heute sagen.
Schon damals umrahmte der Chor feierlich das Fronleichnamsfest, das gleichzeitig unser Patronatsfest ist. Pikanterweise kann man in Zeitungsartikeln von 1928 lesen, dass die Fronleichnamsprozession von Corpus Christi Anlass für eine heftige Debatte in der Bezirksversammlung gewesen ist. Die Prozession in den Friedrichshain, wo die Altäre im Freien standen, sollte wegen der angeblichen "Belästigung" der dortigen Anwohner verboten werden. Auch würden sich viele in ihrem "Empfinden" verletzt fühlen, argumentierten Vertreter der kommunistischen Fraktion. Glücklicherweise wurde das Ansinnen durch eine Koalition von Zentrumspartei und Sozialdemokraten abgewiesen.
Ganz wagnerianisch geht es 1931 zu bei einem Konzert mit Musik aus "Parsifal" und "Tannhäuser", solistisch begleitet durch Kaplan Kusch in einer Zeit, als Mozart wohl schon als zu leicht empfunden wurde und der wuchtige Wagner gefragt war. Deutsch und national - germanischer Mythos statt Altem Testament?
Doch vorher, am 9. Februar 1930, gab es schon etwas zu feiern - das 25-jährige Chorjubiläum.
Auch der Chor von Corpus Christi heute, knapp 75 Jahre später, zählt um die 40 Mitglieder. Und auch heute sind es Sangesfreudige verschiedener Generationen, die sich allwöchentlich zur Chorprobe einfinden.
Von weiteren Jubiläen des Kirchenchores gibt es keine Berichte. Gewiss hängt das mit den Brüchen der folgenden Zeit zusammen. Nationalsozialismus, Krieg, sowjetische Besatzung und DDR-Sozialismus haben die Gesellschaft und mit ihr die Kirchengemeinden radikal verändert. Kirchenchor und -gemeinde hatten einen viel stärkeren Bezug zueinander als zuvor. Im Verlauf der Jahre trat auch die kleine zeitliche Differenz zwischen Kirchweihfest und Chorgründung in den Hintergrund. Wann immer ein Kirchenjubiläum in Corpus Christi gefeiert wird, es ist auch stets ein Chorjubiläum.
Nach Kriegsende, in einer Zeit, in der sich die Gemeinde erst wieder finden musste, wurde häufig in den Gemeindesaal zu Liedern und Klaviermusik eingeladen. Werke von Beethoven,
Schubert, Schumann und Brahms standen im Programm, immer verbunden mit den Namen Katharina Senska (Sopran) und Alfons Guschewski (Klavier). Herr Guschewski war es auch, der in dieser Zeit etwa 30 sangesfreudige Gemeindemitglieder zu einem neuen Kirchenchor zusammenführte. 1951 wurde er von Herrn Glassel abgelöst und 1953 übernahm Herr Lothar Graf die Chorleitung.
In den folgenden Jahren finden sich in den Notizen der Pfarrgemeinde kirchenmusikalische Highlights wie "Böhmische Hirtenmesse" oder das "Stabat Mater" von Pergolesi. Zum 75. Kirchweihjubiläum wird die "Missa brevis D-Dur" von Mozart gesungen.
Häufig waren der Domchor und das Kammerorchester von St. Hedwig unter der Leitung von Domkantor Michael Witt zu Gast. Als herausragende Ereignisse werden in der Chronik u. a. die Aufführung von Haydns Oratorium "Die Schöpfung" anläßlich des 10. Jahrestages der Ernennung des Berliner Bischofs Alfred Bengsch zum Kardinal (1977), die Festveranstaltung "50 Jahre Bistum Berlin" mit dem "Te Deum" von Charpentier (1980) und das "Requiem" von Verdi, das anläßlich des 40.Todestages von Dompropst Bernhard Lichtenberg (1983) in unserer Kirche zu hören war, genannt.
In den achtziger Jahren wurde es etwas stiller um den Chor. Ein neuer Versuch wurde 1987 gestartet. Mit Kantor Wolfgang Tretsch, einem Chorleiter aus der benachbarten evangelischen Pfingstgemeinde, bleibt der Chor - wenn auch klein - erhalten. 1992 übernahm Frau Bettina Hüfner den Chor. Unter ihrer Leitung wurden bei jährlich stattfindenden Konzerten u.a. der "Passionsgesang", "Stabat Mater" von Rheinberger sowie "Die sieben Worte Christi am Kreuz" von Gounod aufgeführt. Frau Hüfner sang als Altistin wiederholt Solopartien.
Der Chor wirkte stets nicht nur hinter den Kirchentüren von Corpus Christi. Im Archiv findet man Berichte von kirchenmusikalischen Veranstaltungen gemeinsam mit anderen Gemeinden aus der Nachbarschaft, katholischen wie evangelischen. Seit Beginn der neunziger Jahre gibt es gute Kontakte zu St. Marien in Berlin-Reinickendorf. Ein reger Austausch und gemeinsame Aufführungen finden statt, z.B. in St. Marien im April 2000 "Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze" von Josef Haydn. Ab und an ist der Chor auf "kleiner Tour": zu Hochzeiten und Jubiläen von Berlin-Dahlem bis Stralsund, zur Umrahmung einer Weihnachtsfeier der Diakoniewerkstätten im Ulmenhof.
Michael Bartoszek
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