100 Jahre Kirchweihe von Ss. Corpus Christi, Berlin
Liebe Gemeinde, liebe Leser!
Vor 100 Jahren wurde unsere Corpus-Christi-Kirche benediziert. Wie häufig, sind auch wir aus einer anderen Gemeinde, "Muttergemeinde", heraus gegründet worden. Es war St. Pius in der Palisadenstraße. Die Zahl der Gemeindeglieder war sehr stark angestiegen. Der damalige Pfarrer, Erzpriester Wilhelm Frank, regte die Gründung eines "Sammelvereins" an, der sich am 29.10.1900 konstituierte. Mit Spenden wollte man den Kirchneubau finanzieren. Es war auch üblich, dass der erste zuständige Geistliche für die Finanzierung Predigten in den Kirchen anderer Städte hielt und Bittbriefe versenden ließ. Die neue Kirche sollte dem Allerheiligsten Altarssakrament geweiht werden und den Namen Ss. Corpus Christi tragen. Das Kirchgebäude reichte anfangs bis zur heutigen Orgelempore und wurde nach einem Brand (1915) in den Jahren 1919-1920 auf die heutige Gesamtlänge erweitert. Erst im Jahr der deutschen Einheit 1990 wurde ein kleiner Glockenturm aufgesetzt. Jede Kirche ist aber nicht nur ein beeindruckendes Gebäude, sondern dient in erster Linie der Versammlung des "Volkes Gottes" und ist ein Ort der Sendung zu den Menschen, vor denen wir unsere Lebenshoffnung bezeugen sollen. In guten, aber auch in schweren Zeiten sind die Gläubigen hier zusammengekommen zum Gebet, zu den Eucharistiefeiern, zu Andachten, in Gruppen und Vereinen. Sie haben Freud und Leid miteinander geteilt. Für Menschen in Not, für Kinder und für Kranke ist mancher Einsatz erfolgt. Das war auch möglich, weil die Katharinenschwestern in über 80 Jahren ihres Hierseins mit Herz und Hand dabei waren. Durch ihre "Schule" ist so mancher gegangen, der gar nicht zur Gemeinde gehörte oder schon lange nicht mehr in unserer Pfarrei wohnt. In all den Jahren seit 1904 wurde unsere Gemeinde von der Anzahl her mal größer - durch Zuzug - und mal kleiner - durch Wegzug und Neuerrichtung von "Tochtergemeinden", z. B. St. Nikolaus. Gegenwärtig sind wir durch den Zusammenschluss mit der ehemaligen St.-Gertrud-Gemeinde ca. 5300 Mitglieder. Alle, die neu hierher kommen, laden wir herzlich ein, mit uns Gott zu ehren und am Dienst für andere teilzunehmen. Herzlich danken möchte ich den ehrenamtlichen Helfern in der Vorbereitungsgruppe "100 Jahre CC". Sie investieren viel Zeit für die Erstellung der Festschrift und die Organisation des Festprogramms. Dankbar sind wir auch allen, die uns mit einer Spende unterstützen.
Gottes Beistand begleite unsere Gemeinde auch weiterhin. In unserer Kirche mögen wir seine Nähe in einer Gemeinschaft der Freude und der Liebe zu den Nächsten erfahren.
Pfarrer Joachim Kucklick
100 Jahre Kirchweihe von Ss. Corpus Christi, Berlin
Liebe Schwestern und Brüder!
Zum Fest der 100. Wiederkehr der Weihe der Kirche Ss. Corpus Christi sende ich Ihnen einen herzlichen Gruß!
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Mit Sicherheit haben sich die Katholiken vor 100 Jahren nicht vorstellen können, was sich in ihrer Kirche im Laufe der Jahre und Jahrzehnte alles ereignen würde.
Es gab schmerzliche Ereignisse, beispielsweise den Brand von 1915 oder die Beschädigungen des Daches im Zweiten Weltkrieg. Doch darf man sagen, daß zwar das Gebäude Schäden erlitten hat, die Gemeinde und der Glaube jedoch fest und lebendig blieben. Auch die Jahre der DDR wurden tapfer durchgestanden. Von vielen Opfern und viel persönlichem Engagement spricht diese Kirche nach 100 Jahren ihres Bestehens.
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Auch große Zeiten und frohe Ereignisse, an die am Tage der Weihe kaum jemand hätte denken können, hat Ihre Kirche gesehen. Hier möchte ich besonders an die Zeit erinnern, in der Ss. Corpus Christi zu den "Ersatzkathedralen" nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte. Drei Bischöfe sind hier geweiht worden, darunter der spätere Kardinal Alfred Bengsch.
Über Höhen und durch Tiefen der Zeit waren dieses Gotteshaus und seine Gemeinde ein wichtiger Ort des katholischen Glaubens in Berlin.
Die Kirche trägt einen ausgesprochen katholischen Namen: Leib des Herrn. Damit folgt sie einer Tradition, in der seinerzeit eine ganze Reihe von Kirchen unter dieses Patronat gestellt wurden. "Leib Christi" läßt zuerst daran denken, daß der Kirchenraum für die Eucharistiefeier und die Verehrung des eucharistischen Leibes Christi bestimmt ist. Indem er aber Menschen zum Gebet einlädt, Christen einen Ort der Gottesbegegnung bietet und vor allem dem eucharistischen Gottesdienst Raum gibt, trägt er zur Auferbauung des Leibes Christi bei, der die Kirche ist. So wird der Kirchbau zum Zeichen für die lebendige Gemeinde.
Leider sind wir heute in der mißlichen Lage, als Kirche von Berlin nicht zu wachsen, schon gar nicht in dem Maß wie vor 100 Jahren. Daß wir heute um den Erhalt von Gotteshäusern kämpfen, anstatt neue zu errichten, wäre wohl seinerzeit auch nicht vorzustellen gewesen. Das soll hier - auch angesichts Ihres Jubiläums - nicht verschwiegen werden. Die Zusammenlegung mit der Gemeinde St. Gertrud ist eine Auswirkung dieser Lage. Ich sage das nicht resignierend, sondern als Ermunterung, alles in unseren Kräften Stehende zu tun, Kirchen und Gemeinden zu erhalten und zu stärken.
Die Kirche Ss. Corpus Christi hat die Wechselfälle der Geschichte überdauert, sodaß wir nun auf ein Jahrhundert zurückschauen können. Bewahren wir das Vertrauen, daß die Kirche Gottes durch die Zeit Bestand haben wird.
Ich wünsche Ihnen, meine Schwestern und Brüder, daß Ihre Gemeinde von der Eucharistie her lebt und mit Blick auf den Herrn in ihrer Mitte ihr Leben gestaltet. Möge Gott, der unter den Menschen wohnen will, durch Sie in diese Welt getragen werden.
Ich wünsche Ihnen Gottes Segen und grüße Sie herzlich,
Ihr Georg Kardinal Sterzinsky
Berlin, im April 2004
100jähriges Kirchweihjubiläum Corpus Christi
Grußwort des Bezirksbürgermeister
Burkhard Kleinert
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1904 - Berlin vor 100 Jahren:
In der damaligen Thorner Straße wird am 15. Dezember eine katholische Kirche geweiht. Das neue Gotteshaus liegt unweit des Berliner Schlachthofes, der Stadtbahn und des Volksparks Friedrichshain mitten im proletarischen Osten der Stadt. Hier wohnen die sogenannten kleinen Leute; Arbeiter, Tagelöhner, Hausierer, Gestrauchelte und solche, die jeden Tag ums Überleben kämpfen. Trost findet man da oft nur in der Kneipe an der Ecke oder aber - in der Kirche.
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Seit den Gründerjahren zieht der Moloch Berlin Menschen an, die hoffen, in der großen Stadt ihr Glück machen zu können. Arbeitskräfte werden gebraucht und manch einer bringt es vielleicht auch zu bescheidenem Wohlstand.
In der Gemeinde Corpus Christi wird schon vier Jahre später eine Kinderbetreuung eingerichtet, eine überaus wichtige kirchliche Aktivität, die vor allem den Frauen ermöglicht, einem Broterwerb außer Haus nachzugehen, ohne in steter Sorge um die ohne Aufsicht daheim gelassenen Kinder zu sein.
Auch hundert Jahre später werden hier noch und wieder Kinder betreut, in den letzten zehn Jahren zunehmend auch Mädchen und Jungen, die aus anderen Konfessionen und Religionsgemeinschaften stammen oder keinerlei religiöses Leben kennen.
Das Gotteshaus der Gemeinde Corpus Christi ist keines der prachtvollen Sakralbauten der katholischen Kirche. Nachdem das Gebäude im Sommer 1915 vollständig ausbrennt, wird an gleicher Stelle nach dem Krieg eine neue Kirche errichtet.
Eingebettet in eine Häuserzeile liegt diese eher unauffällig in der heutigen Conrad-Blenkle-Straße, unweit des S-Bahnhofs Landsberger Allee und nahe am Volkspark Friedrichshain.
Corpus Christi ist eine Kirche für die Menschen geblieben, die hier im noch immer nicht besonders wohlhabenden Osten Berlins leben, in einer Gegend, die, gäbe es nicht den Europa-Sport-Park mit Velodrom und Schwimmhalle, wohl in keinem aktuellen Stadtführer erwähnt würde.
Ich möchte der Corpus Christi Gemeinde zum 100jährigen Kirchweihjubiläum sehr herzlich gratulieren. Und ich möchte mich für die soziale Arbeit, das Für-die-Menschen-da-sein bei den haupt- und ehrenamtlichen Mitgliedern der Gemeinde bedanken. Dieses Füreinander da sein ist für mich eine der anzuerkennendsten Seiten der kirchlichen Gemeindearbeit überhaupt.
Kommunalpolitik, auch wenn sie noch so engagiert betrieben wird, braucht die Ergänzung und Bereicherung durch bürgerliches, in diesem Falle christliches Engagement.
Alles Gute der Gemeinde und ihren Mitgliedern, Freunden und Förderern!
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