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Zustand und Sanierungsmaßnahmen
Obwohl die Orgel bis in die Mitte der achtziger Jahre in stets gut spielbarem Zustand erhalten wurde, hat der alterungs- und funktionsbedingte Verschleiß der Lederteile sowie der gesamten elektrischen Anlage einen Grad erreicht, bei dem unliebsame Störungen inzwischen zu einer Dauererscheinung geworden sind. Dieser Zustand lässt sich durch kleinere Reparaturen leider nicht mehr kompensieren. Es besteht akuter Handlungsbedarf. Nach einer generellen Überholung der Orgel würde die Gemeinde hingegen für lange Zeit wieder ein zuverlässiges Instrument erhalten, welches ohne Übertreibung zu den bedeutendsten Orgeln ihrer Art in Berlin gezählt werden kann.

Durch den Einbau eines neuen Orgelgebläses und Orgeltrafos im Jahr 1991 wurde eine erste technische Grundmaßnahme in punkto Sicherheit und Basisfunktion geschaffen. Daran müssen sich nun dringend die umfangreichen Reinigungs- und Reparaturarbeiten an den pneumatischen und elektrischen Teilen bis hin zum Spieltisch anschließen. Zur Erneuerung der über tausend porösen Lederbälge und -membranen muss das gesamte Pfeifenwerk aus der Orgel entfernt werden. Nach Beendigung der Reparaturarbeiten an den Windladen erfolgt die Reinigung und Instandsetzung des Gehäuseinneren. Erst dann kann der registerweise Wiedereinbau des ebenfalls gründlich gereinigten Pfeifenwerks in die Orgel beginnen. Dieser Arbeitsschritt ist besonders aufwendig, da jede Pfeife klanglich geprüft und, falls notwendig einzeln nachintoniert werden muss. Allein dieser Vorgang nimmt einige Wochen, unter Umständen mehrere Monate in Anspruch.

Aus dem Beschriebenen ergibt sich, dass die Arbeiten nicht gestückelt, sondern nur in einem Zuge ausführbar sind. Auch die Vorgehensweise, die Reinigung in Teilwerken auszuführen, kann wegen der großen Staub- und Schmutzbelastung unter keinen Umständen empfohlen werden.

Die erstklassige Substanz der Steinmeyer-Orgel aus einer Werkstatt, die zu ihrer Zeit Weltgeltung besaß, rechtfertigt die gewaltigen Anstrengungen, die zur originalgetreuen Wiederherstellung - mit den oben beschriebenen Einschränkungen - notwendig sind.

Die Reinigungsarbeiten

Die Reinigunsarbeiten werden sich als recht aufwendig erweisen. Es ist anzumerken, dass die Orgel vor Jahren mit dem Holzschutzmittel Hylotox 59 behandelt wurde, dessen wirksame Bestandteile die hochgiftigen Stoffe Lindan und DDT sind. Die Raumluft der Kirche ist hierdurch vermutlich immer noch recht stark belastet. Die DDT-Ausblühungen auf den Holzoberflächen bergen erhebliche Gesundheitsgefahren. Erfahrungswerte zeigen, dass die Konzentration von Holzschutzmitteln im Staub ebenfalls besonders hoch ist. Neuere Anwendungsrichtlinien und Arbeitsschutzmaßnahmen sehen deshalb vor, dass nur unter permanenter Absaugung der Raumluft mit Schutzanzug und Atemschutzmaske gearbeitet werden darf, da es während der Reinigung sonst zu einer unverantwortbaren Verteilung der Giftstoffe im Raum kommt.

Die Elektrische Anlage

Die elektrische Anlage der Orgel ist im ursprünglichen Zustand und hat ihre Lebensdauergrenze inzwischen längst überschritten. Die Beseitigung von immer wieder auftretenden Störungen erweist sich immer mehr als problematisch und nur noch bedingt wirksam bis zur eigentlichen Sanierung. Der Verschleiß konzentriert sich auf die drei Bereiche: Tasten- u. Wippenkontakte, Koppel- und Kombinationsrelais und Trakturmagnete. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre kommt nur die komplette Erneuerung dieser Komponenten in Frage, wodurch auch die Melodiekoppel, die derzeit überhaupt nicht funktioniert, wiederhergestellt werden könnte.

Der Spieltisch

Der Spieltisch besitzt als funktionelles Herzstück gleichzeitig eine besonders hohe ästhetische Wertigkeit. Restaurierung unter funktionellen Gesichtspunkten oder Neubau - das ist die Frage, die hierbei zu klären ist.

Das Pfeifenwerk

Das Pfeifenwerk muss nach der Reinigung insgesamt gründlich überarbeitet werden, vor allem im Bereich der Stimmvorrichtungen. Kleine Metallpfeifen müssen teilweise neu gefertigt werden. Verschiedene Pfeifen fehlen. Die derzeit fehlende fehlende Pedalmixtur sollte möglichst wieder eingebaut werden.

Besonders gründlich müssen die Zungenregister im Sinne der klanglichen Einheitlichkeit, der Stimmhaltung und der Stimmbarkeit überholt werden. Der Prospekt muss schließlich aufgearbeitet werden.

Die Balganlage

Die Balganlage bildet ein latentes Problem gravierenden Ausmaßes. Die umfangreiche Anlage wurde komplett in den Unterbau der Orgel unter den Windladen eingesetzt ohne weitergehende Überlegungen des Erbauers zur Durchführung absehbarer Erneuerungsarbeiten. Die Bälge der Orgel können nur im Rahmen einer totalen Demontage der Orgelmitte mit Windladen und Tragwerk zur Überholung. Möglicherweise muss man dazu das gesamte Gehäuse entfernen.


Quelle
M.Renusch: Machbarkeitsstudie, Restaurierung der Steinmeyer-Orgel in der
Katholischen Kirche Ss. Corpus Christi Berlin; unveröffentlicht, 2007.