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Ein hochrangiges Bildwerk ist der feine, intim gestimmte Marienaltar des Bildhauers Georg Busch, signiert und datiert 1895, ein Schnitzretabel aus dunkel lasiertem Holz, ganz ohne Farbe. In der Mitte auf erhöhtem Thron sitzt die Muttergottes mit dem Jesuskind, auf beiden Seiten begleitet von musizierenden Knaben, insgesamt sechzehn an der Zahl, hingebungsvoll der Muttergottes zugewandt und auf engstem Raum versammelt, stehend, kniend und hockend. Sie singen oder spielen Instrumente: Cello, Geige, Kontrabass, Bratsche, Zimbel, Harfe. In seiner Urfassung hieß das Werk auch „Engelskonzert“. Aber es sind keine Engel, sondern irdische Jungengestalten in Chorgewändern, die hier Modell gestanden haben. Dem Bildhauer ging es durchaus auch um ihre Körperlichkeit, um Hände, Füße, Haare und den Verlauf der Stoffe über den Körpern. Das Werk entstand in einer Zeit, in der die Bildhauerei schon lange realistisch oder naturalistisch geworden war. Religiöse Sujets gerieten naturgemäß in Konflikt mit dieser neuen Wirklichkeitsnähe, bestand doch immer die Gefahr unzulässiger Profanisierung des Göttlichen. Georg Busch gelingt hier eine empfindsame Synthese: das Irdische und das Göttliche verschmelzen im Akt des Musizierens, denn die Himmelsmusik erreicht offensichtlich auch das Jesuskind, das entspannt lauscht in engem Körperkontakt mit seiner Mutter. Georg Busch schuf das Werk ohne Auftrag. Zuerst stand es in seiner Wohnung in München, wurde dann auf etlichen Ausstellungen um die Jahrhundertwende gezeigt und auch in Zeitschriften veröffentlicht. Die Gemeinde erwarb das Werk im Jahre 1917, nachdem die erste Kirche mit ihrer Ausstattung abgebrannt war. Georg Busch (1862-1943) war nicht nur ein bedeutender Künstler seiner Zeit, er war auch ein aktiver Förderer christlicher Kunst, der am Ende des 19. Jahrhunderts erkannt hatte, dass die Qualität der Kunst in den Kirchen zu wünschen übrig ließ. Er gehörte zu den Mitbegründern der einst einflussreichen „Deutschen Gesellschaft für christliche Kunst“ (die es heute immer noch gibt mit Sitz in München) und war über 20 Jahre lang ihr Präsident (1893-1924). Die dazugehörige Zeitschrift „Die christliche Kunst“, die seit 1903 monatlich erschien, wurde zum entscheidenden Multiplikator. Auch Georg Schreiners Bildwerke wurden in dieser Zeitschrift veröffentlicht und empfohlen.
Christine Goetz
April 2004
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