Wort zum 4. Sonntag der Osterzeit

Ihr Lieben,

sehnsüchtig hoffend auf persönliche Begegnungen mit Euch möchte/muss ich meinen sonntäglichen Gruß wieder auf diese Art und Weise auf den Weg bringen und ich hoffe sehr, Euch allen geht es auch weiterhin gut. Wir brauchen wohl noch langen Atem und Geduld.

Dieses Mal gibt es ein langes Wochenende für uns und es hätte „in alten Zeiten bedeutet“, dass viele von uns  verreisen, den 1. Mai auf kleinen Straßenfesten verbringen, feiern gehen und wahrscheinlich wäre die Stadt am Abend vor dem 1. Mai schon in Alarmbereitschaft versetzt worden.

Für 64 Kinder samt ihren Familien aus Corpus Christi sollte es außerdem das Erstkommunionwochenende werden. Bei diesem Gedanken werde ich tatsächlich ganz schön melancholisch. Statt fröhliches, aufgeregtes und erwartungsvolles Stimmengewirr und dazu wundervolle Musik mit Gesang im Gottesdienst, bleibt es in den Kirchen auch weiterhin ziemlich leise und leer.

Unsere Regierung, und in diesem Fall will ich mal den Begriff der Hirt*innen ins Spiel bringen, hat angesichts der nicht enden wollenden Krisenlage noch immer anderes für uns vorgesehen.

Der Hirten gibt es in meiner Wahrnehmung gerade viele:

Virologen-Hirt*innen, Politik-Hirt*innen, Senats-Hirt*innen, und nicht zu vergessen die Crazy-Hirten mit beispielsweise „interessanten“ Impfempfehlungen als Virenschutz ;-), wobei ich mir bei diesem speziellen Hirten wünschen würde, dass ihm hoffentlich nicht so viele Schafe Folge leisten.

Und dann gibt es ja noch meine katholische Kirche mit all ihren Hirten, die sich noch immer schwer damit tun zu akzeptieren, dass Frauen als Hirtinnen ganz gewiss genauso gut geeignet sind wie Männer (als Hirten). Mir zumindest fehlt die Einsicht in die Argumentation und es stellt sich mir die Frage:

Wann kann man denn über Hirt*innen sagen, dass sie einen guten Job machen?

Ich denke, Vertrauen ist ein wichtiges Stichwort. Vertrauen muss sich erarbeitet werden und deshalb spielen absolute Verlässlichkeit und das Vermitteln von Sicherheit eine wichtige Rolle. Kein Missbrauch, keine leeren Versprechungen, kein ungewohntes Handeln sollte die Schafe verunsichern und verschrecken, sondern der/die Hirten kommen auf vertrautem Weg zu den Schafen – der Schafstall wird nicht heimlich betreten, es wird nicht von hinten irgendwie eingestiegen oder sich herangeschlichen.

Und immer bekomme ich (Schaf) außerdem das Gefühl vermittelt, gut aufgehoben zu sein, geliebt zu werden und Hilfe und Unterstützung wird mir zugesagt und auch gegeben. So wird die Herde in die Lage versetzt, seinem Hirten/seiner Hirtin gern zu folgen. Und wenn es schwierig oder gefährlich wird, die Krise über uns hereinbricht, weiß der Hirte/die Hirtin Rat, sucht ein trockenes und geschütztes Plätzchen, an dem wir gemeinsam verweilen können bis es wieder aufwärts geht.

Damit liegt die Latte ganz schön hoch – ich weiß, aber dabei würde es für mich keine Rolle spielen, ob die Hirten Mann/Frau/Divers sind...

Biblisch gesehen hält schon Psalm 23 wunderschöne Sätze zu diesem Hirtenthema bereit. Und weiterausgearbeitet finden wir die entfaltete Bildkraft des Guten Hirten im Neuen Testament. An diesem Sonntag legt ein „Hirtentext“ aus dem Johannisevangelium (Joh 10,1-10) das Augenmerk besonders auf die Stimme – und dem Hören und Folgen. Das ist ein schöner Gedanke, denn es gibt viele Stimmen und Stimmungen, denen wir wohl nur allzu gern und allzu leicht Folge leisten. Da gibt es zum Beispiel das „Nicht zu kurz kommen wollen“, das „Ellenbogen ausfahren“, das „Profit einfahren ohne Rücksicht auf Verluste“, und die schlimmen Folgen von diesem Übermaß holen uns ein: 1 Million Pflanzen- und Tierarten, die es demnächst nicht mehr geben soll – wo haben wir uns hinführen lassen? Trotten einfach mit – der „Herdentrieb“ macht es möglich.

Und so mehren sich die Stimmen die sagen, dass die Corona-Krise auch ihr Gutes haben könnte (bei allem Negativen) – von wem/von was wollen wir uns leiten lassen, die Karten könnten nochmal neu gemischt werden. Und das nicht nur gesellschaftlich, sondern sicher auch im eigenen Leben.

Es bleibt dabei: die Bibel mit ihren Weisheiten beeindruckt mich immer wieder – und ich vertraue ganz fest auf meine gute Hirt*in, unserer lieben Gott ;-)

Bleibt behütet, beschützt und bis wir uns wiedersehen – na, ihr wisst schon – halte Gott Dich fest in ihrer Hand (klingt auch gut, finde ich)   

Eure Regina

P.S. Und noch etwas Thematisches zum Schmunzeln

 

Regina Harzdorf

Pfarrgemeinden Ss. Corpus Christi + St. Josef
10407 Berlin, Conrad-Blenkle-Str. 64 + 13086 Berlin, Behaimstr. 33-39

regina.harzdorf(ät)erzbistumberlin.de
CC: 030/42 0815 18
St. Josef: 030/924 66 64