Wort zum 5. Fastensonntag

Wort zum 5. Fastensonntag

Ihr Lieben,

einen sonntäglichen Gruß möchte ich auf den Weg bringen, inzwischen naht der dritte Sonntag ohne Kirche, ohne Gottesdienste, ohne die vielen wohltuenden Begegnungen und Gespräche, die unser gemeindliches Miteinander ausmachen.

Geht es euch gut? Kommt ihr zurecht mit Homeschooling, Homeoffice oder viel Zeit mit der Familie und ohne direkten Kontakt zu den vielen anderen Menschen, die einem wichtig sind? Oder vielleicht auch mit sehr viel Arbeit, weil eben in „systemrelevanten“ Arbeitsfeldern unterwegs? Oder müsst Ihr euch gerade sehr sorgen, weil eben diese Krise auch für euch eine Krise bedeutet?

Ich für meinen Teil kann mich nicht an den Gedanken gewöhnen, dass gerade all die eindrücklichen Gottesdienste der Karwoche und des Osterfestes nicht gefeiert werden bzw. so ganz anders gefeiert werden sollen. Es ist mehr als seltsam.

Diesen Sonntag wäre/ist das Evangelium vom „Lazarus“ dran, tief theologisch und ganz schön mit Schwere – aber jeder Bibeltext lädt ja bekanntermaßen ein, aus ihm etwas Aktuelles für’s eigene Leben zu ziehen, sich ansprechen zu lassen und tatsächlich spricht dieser Text mal wieder sehr zu und mit mir ;-) Ich lass euch mal (aber nur ansatzweise) teilhaben, denn da geht mir wirklich viel durch den Kopf:

Bei dem gestorbenen und wieder auferweckten Lazarus, von dem das Johannesevangelium erzählt, liegt der Gedanke nicht fern zu fragen: Wer oder vielmehr Was denn da gerade der „Lazarus“ in meinem Leben ist oder: der oder das Lazarus in unserer Gesellschaft?!

Das macht ja auch ein bisschen Sorgen und Angst, was da gerade passiert durch den Virus und wie mag es wohl weitergehen. Und was wird wohl alles den Bach runter gehen (also: versterben), bis die Krise vorbei ist… das scheint ein Fass ohne Boden zu werden. Die Bibelgeschichte aber will Mut machen, denn in jeder Situation weiß Jesus um Lazarus, sogar als er gestorben ist. Er verliert ihn (uns?) nicht aus dem Blick. Er tröstet, er macht vielleicht was ganz Neues draus aus diesem ganzen Schlammassel.

Und ich persönlich darf feststellen: ich habe tatsächlich etwas Ruhe - ich will es jetzt nicht mit der Grabesruhe vergleichen, aber es ist nicht unangenehm… und ich warte, dass er mir neues Leben einhaucht und dann kann ich wieder durchstarten. Aber vielleicht ja ein bisschen anders, als vorher. Wer weiß das schon… Also man merkt, die Bibel ist mal wieder aktuell wie nie ;-)

Ich sende Euch jedenfalls viele Grüße, wünsche Euch nur das Beste und hoffe, dass wir alle uns bald gesund und munter und vor allem auf einem Haufen (gleichzeitig) wiedersehen. (Ich habe gerade einen Dauerohrwurm: Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand.)

Bleibt behütet Eure Regina