Wort zum 6. Sonntag der Osterzeit

Ihr Lieben,

wie geht und ergeht es euch und euren Familien? Hoffentlich alles einigermaßen im Lot und erträglich!
Irgendwie hatte ich diese Woche eine Krise in der Krise.
Unter anderem musste ich die RKW für CC absagen – das Highlight des Jahres - und auch für St. Josef ist sie bereits gecancelt. Das fiel mir wirklich schwer.
Ich finde, dass die Kinder und Jugendlichen doch in großem Maße die Leidtragenden in dieser Zeit sind. Vieles ist vollkommen auf den Kopf gestellt in ihrem Leben.

Mir ist tatsächlich zwischendurch ein bisschen meine Zuversicht abhanden gekommen und ich habe zunächst versucht, mich mit Lebensweisheiten wieder fit zu machen:
„Man muss sich durch die kleinen Gedanken, die einen ärgern, immer wieder hindurchfinden zu den großen Gedanken, die einen stärken.“ (Dietrich Bonhoeffer)  „Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen – das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.“ (John Fitzgerald Kennedy).

Überhaupt Krise, eigentlich war es doch immer so, dass sich gerade in Krisenzeiten die Menschen wieder daran erinnert haben, dass die Kirche ein Anker an Stabilität, ein wunderbarer Ort des Trostes und der Heilszusage ist und vor allem auch Orientierung geben kann. Ich habe Sorge, da die Kirche bekanntermaßen ja selber in der Krise steckt, dass es dieses Mal nicht so sein wird. Durch die erzwungene Kirchendistanz könnten sich einfach gleich noch einige mehr mit verabschieden, die vorher schon auf Abstand waren. Zumal wir vor Ort gerade nur „Hygiene“-Gottesdienste mit oder ohne Anmeldung für 50 Menschen feiern können, in denen sich wohl unsere Getreuen beheimatet fühlen, aber kaum auch diejenigen, die in ihrer Verunsicherung nach Antworten und Schutz suchen. Da reicht es vielen womöglich auch aus, vom Balkon gemeinsam geklatscht zu haben, miteinander im Netz zu musizieren und Kerzen ins Fenster zu stellen. Und vielleicht genügt vielen auch das geistliche Angebot im virtuellen Raum, weil es womöglich ansprechender und wohltuender ist, als die bis vor Coronazeiten gefeierten Gottesdienste in ihren eigenen Gemeinden?

Die ersten Gottesdienste sind letztes Wochenende gefeiert worden und der große Run ist ausgeblieben. Werden wir überhaupt wieder zu gefüllten Gotteshäusern und Gemeindesälen zurückkehren? Sind vielleicht inzwischen alle Messen gesungen ;-)

Also Bibel auf den Tisch und nachgeschaut, was das Sonntagsevangelium für meine angeknackste Zuversicht zu bieten hat:
(Noch immer) die Abschiedsrede Jesu aus dem Johannisevangelium (Joh 14,15-21). Er bereitet seine Jünger auf eine Krise vor – nämlich ohne ihn auskommen zu müssen. Jesus versucht seinen Freunden das Gefühl von ‚nicht verwaist zu sein‘ zu vermitteln und mit ihm über die unterschiedlichsten Kanäle in Verbindung bleiben zu können: „…er (mein Vater) wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, den Geist der Wahrheit…Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen…ich bin in meinem Vater, ihr seid in ihm und ich bin in euch.“ Und in diesem Text ist auch sehr viel von Liebe die Rede.
Also – Veränderung kommt auf jeden Fall, daran kommen die Jünger*innen damals und auch wir heute nicht vorbei. Aber wir werden nicht alleine sein, können einander Mut machen und im und mit dem guten Geist der Wahrheit und der Liebe, der uns und Gott verbindet, durch Krisen gehen.
Ich möchte noch ein Bibelwort hinzufügen: Denn Gott hat uns nicht den Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. (2 Tim 1,7) Ich für meinen Teil merke, dass ich unbedingt Pfingsten brauche – Gottes guter Geist muss mich mal wieder ein bisschen aufbauen und anfüllen. Ich brauche frischen Wind. Ich bete drum, nicht nur für mich, sondern auch für all die anderen, denen es vielleicht auch gerade so wie mir geht. Ein bisschen atemlos in dieser Krisenzeit grüße ich Euch alle trotzdem von Herzen, möge uns nicht die Puste ausgehen und vor allem das Vertrauen, dass Gottes guter Geist uns den Rücken stärkt, uns Mut macht und uns aufrichtet.

Eure Regina

P.S. Bitte nicht „Atemlos“ singen, sondern noch immer gilt: Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand!

Regina Harzdorf

Pfarrgemeinden Ss. Corpus Christi + St. Josef
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St. Josef: 030/924 66 64