Wort zum Himmelfahrtswochenende

Ihr Lieben,

sehr herzlich möchte ich mich für die lieben Antworten und Gedanken, für das Mutmachen und Mitfühlen auf meine Mail vom vergangenen Wochenende bedanken, aber auch für die eingegangenen Reaktionen in den schon vorausgegangenen Wochen. Ich freue mich sehr darüber, dass wir uns auf diesem Weg ein Stück begleiten und nah sein können.
Dieses Mal möchte ich ‚laut‘ über Himmelfahrt nachdenken. Es wird also ein bisschen theologisch:
Heaven is a wunderful place – so heißt eine Textzeile in einem Gospel. Und sie lautet nicht: Sky is a wunderful place.

Im Deutschen müsste ich beide englischen Sätze mit „Der Himmel ist ein wunderbarer Ort“ übersetzen. Und da sind wir schon mitten im „Problem“ des Wortes „Himmelfahrt“. Denn was bitte schön ist denn der Himmel und die dazugehörige Himmelfahrt?! Als Kind hatte ich damit auf jeden Fall meine Probleme. Die englischsprechenden Menschen haben es da besser, da ist der Himmel mit Sonne, Wolken, Mond und Sternen über mir und der Himmel als Welt Gottes/als mich umgebende nicht sichtbare Gotteswelt fein säuberlich mit zwei Begriffen voneinander getrennt.
Die sehr plastische Erzählweise des Evangelisten Lukas in seinen Berichten provozierte bei mir ein sehr räumliches Missverständnis und so hatte ich auch mal schnell das Bild eines Fahrstuhls, einer Rakete oder anderer himmelsstürmender Utensilien vor meinem geistigen Auge. Und sie erklärt wohl auch die ein oder andere recht „süßlich geratene“ Darstellung Alter Meister.
In diesem Jahr aber ‚hören‘ wir nicht den Text des Lukas, sondern einen Text aus dem Matthäusevangelium.
Ganz allgemein fehlen im Matthäusevangelium nachösterliche Erzählungen die von Begegnungen des auferstandenen Jesu mit seinen Freunden berichten: keine Emmausjünger, kein Fischfang und Morgenmahl am See oder das Sitzen hinter verschlossenen Türen. Ausschließlich die Texte der Osternacht (ihr erinnert euch vielleicht: Erdbeben, Wachen fallen in Ohnmacht, Engel der es sich auf dem Grabstein gemütlich macht) und die Begegnung des Auferstandenen mit den Frauen (unsere ersten Apostelinnen!)  sind zu lesen und dann folgt (über einen ganz kurzen Einschub zum Thema ‚Der Betrug der Hohepriester‘) das diesjährige „Himmelfahrtevangelium“, in dem Jesus seine Freunde aussendet - zu taufen, zu lehren, und in seine Fußstapfen zu treten. Damit endet das Evangelium. Von Empornahme in den Himmel oder Einhüllen in eine Wolke erzählen Markus und Lukas und die Apostelgeschichte, aber Matthäus und Johannes tun dies nicht.
Sei es drum, auf jeden Fall ist Jesus dann nicht mehr da und die Jünger*innen müssen alleine klarkommen.
„Ich bin dann mal weg!“ – wenn man es etwas despektierlich formulieren möchte, wäre vielleicht dieses Zitat von Hape Kerkeling passend? Sich verduften und aus dem Staube machen klingt noch kräftiger. Aber, ich will diese Ausdrücke gleich wieder einfangen, denn tatsächlich ist es das genau nicht, was uns – egal welches Ende der vier Evangelien wir lesen - von den Evangelisten ins Herz geschrieben werden soll.

Denn Jesus ist in diesen Abschiedsszenen eben nicht nur der Weggehende, sondern wird vor allem auch als der bleibende und der kommende Herr zugesagt: Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt.
Das wiederum hat im Blick auf das Matthäusevangelium Konsequenzen: Ihr Lieben, macht das Schönste (und Schwerste), was es gibt: Lehrt! Erzählt! Tauft! Probiert so zu erzählen, dass Gott den Menschen staunenswert, liebenswert und wertvoll wird. Wer lernt und lehrt, liebt darin Gott.

Was allen vier Texten der Evangelisten gemeinsam ist, ist das Vermitteln von Weite, Zuversicht, Hoffnung.
Sie erzählen von Hinausgehen, ins Freie führen, auf den Berg gehen, in den Himmel schauen, oder eben in die Wolke einhüllen. Es sind Orte wo der Himmel weit und offen ist. Der Tod ist nicht das Ende, sondern darf verstanden werden als das Loslassen in die Weite Gottes, den Himmel. Gott kommt mir so nah, dass ich darin eingehüllt bin, von dieser Wirklichkeit.
Und so lange ich aber hier in diese Welt gesetzt bin darf gelten: Du stellst meine Füße auf weiten Raum (Psalm 31) und ich probiere von dir, guter Gott, Zeugnis zu geben und gut durch’s Leben gehen zu können.
Und manchmal bekomme ich auch Flügel verliehen, die mich über Höhen und eben auch Tiefen in meinem Leben tragen, die mich dem Himmel ein Stück näher bringen.
Ich wünsche uns Menschen an der Seite, mit denen wir den Himmel auf Erden erleben können – die Hand einer Freundin, die einfach da ist, und einen hält, nichts sagt, weil es gerade keine Worte gibt.
Oder einfach nur Musik, die wohltut. Warme Sonnenstrahlen, die das Gesicht streicheln.
Und ich glaube, Gott kommt uns entgegen und der Himmel ist dort, wo ich in Glück oder Liebe oder Zufriedenheit eingehüllt bin.

Einen wunderbaren Himmelfahrtstag, ein behütetes Wochenende und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand

Eure Regina

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