Wort zum Weißen Sonntag

Ihr Lieben,

wieder eine Woche vorbei. – An den Orten, an denen ich mich in dieser Corona-Zeitrechnung aufgehalten habe sieht es inzwischen doch schon ganz schön aufgeräumt aus. Ich war zumindest auf diesem Feld fleißig. Meist fehlt‘ dafür ja die Zeit oder auch die Lust.

Mein Kalender weist mich darauf hin, dass am Sonntag gemeinsamer „Raumgottesdienst“ in Corpus wäre und ab Montag die Ferien zu Ende sind und der Schulalltag wieder beginnen soll. O je, es fühlt sich an, als ob mein Kalender von einem anderen Stern ist.

Unsere Live-Stream-Osternacht bleibt unvergessen und trotzdem hoffentlich die erste und letzte dieser Art. Dennoch war es sehr tröstlich und aufbauend, zu wissen, dass wir alle miteinander Ostern gefeiert haben. Halleluja!

Eines meiner Lieblings-Oster-Evangelien ist in diesem Jahr ein bisschen unaufgeregt an mir vorbeigezogen:  Die Emmaus-Jünger, die uns doch jeden Ostermontag begleiten. Zum Glück gab es in der Erstkommunionvorbereitung schon das passende Treffen dazu und auch auf dem Elternabend hatte dieses großartige Evangelium bereits seinen Platz. Bekanntermaßen bewegen wir Christen uns auf dem Feld des GLAUBENS (und nicht auf dem Feld des Wissens). Die Erzählung der Emmausjünger mit ihrer beschriebenen Wandlung von zu tiefst bedrückt und verzweifelt hin zu freudig, mutig und voller Energie helfen mir sehr dabei, diesen Glauben zu stärken.

Was nun an diesem Sonntag folgt ist die Begegnung zwischen Jesus und Thomas. Thomas, der zunächst einfach nur zur Sprache bringt, was auch heute viele Menschen denken und fühlen: An die Auferstehung Jesu glaubt nur jede*r zweite Christ*in. Na, seid ihr Nummer 1 oder Nummer 2?

„Weißer Sonntag“ so heißt dieser 2. Sonntag der Osterzeit – seinen Namen hat er von den weißen Gewändern, und zwar von denen der neu getauften Christen. Denn früher galt: wer in der Osternacht getauft wurde trug acht Tage lang sein weißes Taufkleid.Seit dem Jahr 2000 hat dieser Sonntag aber einen weiteren Namen: Barmherzigkeitssonntag (von Papst Johannes Paul II. eingeführt).

Vielleicht passt dieser Name bzw. das Anliegen im Moment auch wirklich besser und lässt uns über unseren kirchlichen Tellerrand blicken.

In der Osternacht haben keine Taufen stattgefunden, Erstkommunionen sind verschoben, von weißen Kleidern ist also nicht viel zu sehen, aber Barmherzigkeit braucht es dringend und immer wieder in den kleinen und großen Dingen, die diese Krise mit sich bringen.

Mir jedenfalls gefällt dieses Anliegen sehr, mit Herzlichkeit kommt man immer weiter und Barmherzigkeit hat etwas mit einem großen weiten Herz zu tun. (Und vielleicht habt jetzt mal ihr „Kopfkino“ und seht mein großes rotes Plüschherz;-)

So fiel am Mittwoch die lang ersehnte Lockerung der Schutzmaßnahmen doch sehr verhalten aus. Das Echo darauf und die Pluralität der Meinungen ist riesig. Nicht alle sind zufrieden mit den Regelungen. Dabei kann im Moment wohl nur mit Augenmaß gesteuert werden und erst hinterher werden wir schlauer sein. Ich wünsche mir einen verständnisvollen Umgang, wenn es womöglich auch einmal zu Fehleinschätzungen kommt. Barmherzigkeit bedeutet Geduld haben und nicht immer gleich alles (vor allem für sich) zu fordern.

Und Barmherzigkeit ist die Anteilnahme an der Not der Mitmenschen, Barmherzigkeit bedeutet Gerechtigkeit und Zuwendung. Wie mag es den vielen Menschen in den Krisengebieten gehen, wie in den anderen Ländern, die kein so gut aufgestelltes Gesundheitssystem haben, oder wo einfach schlichtweg das Geld fehlt, um das Nötigste für’s Überleben zu besorgen. Wie sieht es in den überfüllten Flüchtlingslagern aus? Und ich denke daran, dass auch ganz gewiss unter unseren Dächern genug Probleme wohnen.

Und ich merke, dass es mich überfordert, die vielen Varianten der Auswirkungen dieser Krise in ihrem ganzen Ausmaß zu durchdenken. Wo kann ich anfangen, Anteilnahme zeigen, wo aktiv werden?

Insofern stelle ich einmal mehr fest: Barmherzigkeitssonntag ist wirklich eine sehr gute Idee und müsste eigentlich jeden Tag stattfinden.

Ich wünsche Euch viel Geduld bei weiteren „Lockerungsübungen“ in der neuen Woche, haltet durch und gern hier noch ein kleiner Werbeblock zu einem Projekt bzw. dem Ergebnis dieses Projektes, das von unserer Weißenseer Nachbargemeinde ins Leben gerufen wurde: miteinander in Ökumene Home-Musizieren. Viele haben sich beteiligt, ich auch, und das Lied wird euch bekannt vorkommen: auf der Website (St. Josef) findet ihr den Link dazu (aber wahrscheinlich erst ab Sonntagabend).

Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott Dich fest in seiner Hand und segne und behüte Euch

Eure Regina Regina Harzdorf

Pfarrgemeinden Ss. Corpus Christi + St. Josef
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regina.harzdorf(ät)erzbistumberlin.de
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St. Josef: 030/924 66 64