Meldung

Was ist den fair - Rückblick auf den Weltgebetstag 2017

Der diesjährige Weltgebetstag, zu dem die Adventgemeinde am 3. März geladen hatte, stand unter dem Thema „Was ist denn fair ?“. Dieses Jahr trafen wir uns, um für die Frauen und Mädchen auf den Philippinen zu beten und betend zu sin-gen. Wir bekamen Informationen zur Geographie des Viel-Inselstaates sowie zur politischen, sozialen und religiösen Struktur und sehr interessante Einblicke in ganz persönliche Lebensverhältnisse, in denen sich die gesellschaftspolitischen, wie auch die traditionell geprägten Beziehungen, Gegebenheiten und Situationen des Landes widerspiegeln. Wir erfuhren auch, dass „Bibelteilen“ ein wesentlicher Pfeiler im religiösen Leben der Frauen darstellt. Die Frauen treffen sich regelmä-ßig und vertiefen eine Textstelle aus der Bibel. Sie versuchen zu ergründen, was der Textinhalt mit ihrem Leben hier und heute zu tun hat und welche Botschaft für sie darin enthalten sein könnte. Das gefällt mir. Und gerade solche Bibeltexte, die auf den ersten Blick unverständlich oder gar provokant erscheinen, mag ich besonders. Denn sie fordern uns heraus. Das heißt, sie fordern uns auf, unsere gewohnte, über die Jahre geprägte Sichtweise auf die Dinge und Situationen zu ändern, zu öffnen, zu weiten. Es geht um einen inneren Perspektivwechsel. Wer sich diesem Erforschen, Ergründen hingibt – Exerzitienteilnehmer(innen) unter Ihnen kennen das – wird reich belohnt. Den tieferen Sinn, die spirituelle Dimensi-on auszuloten, erfordert von uns im wahrsten Sinne die Herzen zu erheben, um sie beim Herrn zu haben. So also waren auch wir Teilnehmende dieses Weltge-betstages nach der Lesung eingeladen zum Bibel-teilen. Gelesen wurde Matthäus 20 – Von den Arbeitern im Weinberg. Ja, das ist so ein herausforderndes Gleich-nis, mit dem uns Jesus innerlich aufbrechen will, uns auffordert, mit dem Herzen zu sehen und zu denken. Mit einem Gongschlag bildeten wir kleine Gruppen. Die Gemüter waren von dieser Textpassage aus dem Matthäusevangelium erhitzt. Denn schließlich stand der Abend unter dem Thema „Was ist denn fair ?“ Nach dem gängigen Denkschema unserer Zeit empfanden viele die Auslösung mit dem gleichen Lohn für nicht-gleiche Arbeit als gar nicht fair. Jesus kennt diese Denk-weise der Menschen genau, eben gerade deshalb will er uns darauf stoßen. Er will, dass wir umdenken, dass wir mit dem Herzen denken. Er will, dass wir an die Stelle von Leistungsorientiertheit, Druck und Neid, die Freude und die Herz-lichkeit setzen. Freude großzügig teilen und verschenken darüber, was dem Ande-ren Gutes gelingt, was der Andere für Geschenke vom Leben bekommt, was dem Anderen für eine reiche Gnade zufließt. Arbeit im Weinberg ist nach meinem Verständnis in erster Linie eine geistige, eine spirituelle Arbeit, ein inneres Wach-sen, welches sich im Denken und Handeln widerspiegelt. Ein weiterer Glocken-schlag beendete unseren intensiven Austausch. Aber damit war ja dieses Gleich-nis längst nicht ergründet. Wenn Sie gern mögen, lassen Sie diese Textpassage – Matth. 20 – auf sich wirken. Gehen Sie damit ein paar Stunden oder Tage oder auch Wochen „schwanger“. Wenn ich mich darauf einlasse, bin ich immer wieder überrascht, welche Tiefe, welche Aktualität, welche Feinsinnigkeit, im Kleinen – ganz persönlich, wie im Großen – Gesellschaftlich, darin stecken. Und darüber, wie sich meine Sichtweise auf das Leben nivelliert. 

Auf jeden Fall lädt Gott auch die „Letzten“ (vielleicht die von ihm am weitesten sich entfernt glauben, oder die Schwachen, die am Rand der Gesellschaft stehen, oder …) ein, in seinem Weinberg eine Arbeit zu verrichten. Der Weg zu Gott steht also allen Menschen offen. Gott ist nicht berechenbar. Er lässt sich nicht durch sogenannte eifrige gute Taten kaufen, wenn diese nicht wirklich vom Her-zen mitgetragen werden. Dieses Gleichnis wendet sich somit auch gegen ein falsch verstandenes Leistungschristentum. Zum anderen will uns Jesus aber auch darauf hinweisen, dass es wunderbar und heilsam ist, von der Früh‘ an, sozusagen den ganzen Tag unserem Herrn und Gott dienen zu dürfen. Allein das ist ein großartiges Geschenk. 

Wann war ich eigentlich bereit, im Weinberg des Herrn mitzuarbeiten? Ich würde sagen, um die sechste Stunde (gegen 12 Uhr Mittags – also etwa in der Mitte mei-nes Lebens), denn ich brauchte 46 Jahre, um zu erkennen, dass diese innere Ar-beit in der steinigen Spur von Jesus, die wertvollste Arbeit in diesem Leben ist. Ein Jahr danach ließ ich mich taufen. Keiner von uns weiß, wann jemand diese innere Erkenntnis und Bereitschaft ent-wickelt oder was ihn bisher davon abhält. Jeder ent-wickelt sich in seinem ihm gemäßen Tempo - (die deutsche Sprache ist wunderbar sinnbezogen). Aber Gott, der Herr vom Weinberg, schaut stetig und lädt alle die ein, die bereit sind, sein Angebot anzunehmen – sofort oder zöger-lich, oder etwas später, das ist gleich-gültig vor Gott

Dass die ersten ihren Lohn zuletzt erhalten, also ganz bewusst bemerken müssen, dass alle seine Arbeiter ausnahmslos gleich von Gott mit großzügiger Güte be-dacht werden, kann auch eine Prüfung sein, ob die Mitarbeiter der ersten Stunde nur wegen des zugesagten Lohnes mitgearbeitet haben, oder ob sie sich der Schönheit und der Heiligkeit dieses Tuns würdig erweisen. Ich gehe mal davon aus, dass nicht alle murrten, jedoch scheinbar viele. Niemand ist frei von Fehlern. Wir sind alle unterwegs und kommen irgendwann ans Ziel. Die einen früher, die anderen später. Gott hat alle Zeit der Welt. 

Also freuen wir uns über jeden, der nach seinen Kräften und Möglichkeiten am Reich Gottes mitwirkt und gönnen ihm den großzügigen Lohn. 

Freuen wir uns über jeden „Neuzugang“ und nehmen ihn herzlich auf, gerade wenn wir schon lange, vielleicht von der ersten Stunde an, dabei sind. 

Wer in dieser Haltung am Reich Gottes mitwirkt, dem schenkt Gott gewiss auch die Kraft, „des Tages Last und Hitze“ zu (er)tragen. 

Gott ist der Souverän. Er kann tun, was ihm gefällt, mit dem was Sein ist. Und was Ihm gefällt, ist immer gerecht und fair. 

Gott ist Liebe.